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Melora Kuhn
21. Januar 2014 - 25. Januar 2014
Eröffnung: Dienstag 21.1. 2014, 17-21 Uhr

Zu den Arbeiten von Melora Kuhn

Die Arbeiten von Melora Kuhn sind eine stetige Beobachtung der Erfahrungen, die Menschen mit sich selbst und in der Gesellschaft machen. Kuhn bedient sich der Bildsprache von Mythologien und Geschichte, insbesondere Bildformen der amerikanischen Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts, aus der sie einzelne Bilder isoliert und in einen neuen Kontext setzt. Ihr Interesse gilt den Details, die in der Erzählung vergessen oder ausgelassen wurden, um so eine fest determinierte und bekannte Geschichte in eine andere Richtung zu führen und den persönlichen Biografien der Protagonisten in ihren Bildern eine neue Lesbarkeit einzuschreiben. Oft setzt sie die lieblichen, klassischen Porträtierten vor kontrastierende, zerstörerische, schwarz-weiße Hintergrund-Kulissen aus Bildern aus dem aktuellen Zeitgeschehen. Dadurch kreiert sie für jeden Porträtierten eine individuelle Narration, in der sie das persönliche mit dem kollektiven Gedächtnis verknüpft und historische Ereignisse aus der Vergangenheit in die Gegenwart übertreten lässt.

In ihren neuen Arbeiten aus der Serie „Reconstructing Histories" wird diese zweite Erzählebene auf andere Weise hinzugefügt: über der Szenerie liegen schematische Umrisszeichnungen, die das Bild zu einem Vexierbild werden lassen, bei dem man nicht mehr weiß, was vorne oder hinten liegt und welche Erzählung nun eigentlich der Wirklichkeit entspricht.

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Bezeichnend kommt dieses in einem Porträt Thomas Jeffersons zum Ausdruck (Sally's Marks on Tom, 2013), den Melora Kuhn vor einen schönen sonnendurchbrochenen Wolkenhimmel setzt. Über sein Porträt lässt sich als schwarze Zeichnung die Figur von Sally Hemmings erkennen, einer Sklavin, von der es heißt, Jefferson habe sechs Kinder mit ihr gezeugt, wie aus DNA-Untersuchungen aus den späten 90er Jahren hervorgeht. Diese zweite Erzählung, die so gar nicht der Geschichte entspricht, die ursprünglich in den Geschichtsbüchern überliefert wurde, legt sich wie ein Schatten auf das ruhmreiche Erbe des 3. Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Im Gegensatz zu ihren Porträt-Serien wendet sie sich in ihre neuen Bildern Innenräumen zu, die von der draußen stattfindenden Geschichte eingenommen und überrannt zu werden scheinen. So stürmt eine Postkutsche, die direkt einem historischen Buch aus dem 19. Jahrhundert entsprungen sein könnte, wo sie eben noch durch den Wilden Westen preschte, durch einen Vorhang in einen edlen Salon, auf dessen Wänden nun statt feinen Tapisserien die karge Landschaft des mittleren Westen prangt. Einen Bild-Raum weiter zerfleischen kräftige englische Jagdhunde einen struppigen Koyoten in einem mit asiatischem Porzellan geschmückten Saal. Der Koyote, der heute nicht nur in den amerikanischen Steppen, sondern auch in Großstädten heimisch ist und dort als Plage und bedrohlicher Störenfried gejagt wird, wird in der indianischen Mythologie als listiger Gott verehrt.

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Melora Kuhns Auseinandersetzung mit der amerikanischen Geschichte ist ein immer weiter wachsender Prozess: „Ich versuche nur zu verstehen, wie wir dahin gekommen sind, wo wir heute sind, und wie man dieses Gefüge zertrennen könnte, um eine neue Ordnung oder einen neuen Weg zu schreiben".

Melora Kuhn (geboren 1971 in Boston) studierte an der School of the Art Institute of Chicago. Sie war in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen vor allem in den USA vertreten. Dies ist ihre erste Einzelausstellung in Deutschland. Sie lebt und arbeitet in der Nähe von New York.

 

TAKE FIVE
5 Wochen, 5 Künstler, 5 Ausstellungen
Galerie EIGEN + ART Berlin

Mit TAKE FIVE zeigt die Galerie EIGEN + ART Berlin ab dem 14. Januar 2014 über fünf Wochen fünf Ausstellungen von fünf jungen Künstlern.

Die Ausstellungen werden wöchentlich am Dienstag von 17-21 Uhr eröffnet und sind jeweils bis Samstag zu sehen. Jeder der fünf Künstler hat hierfür neue Arbeiten entwickelt. Mit Arbeiten, die von Skulpturen über Malerei, Zeichnung bis zu Rauminstallationen reichen, wird die Galerie so für die Dauer von fünf Wochen zum Schauplatz eines abwechslungsreichen Ausstellungsprogramms:
Melora Kuhn und Lada Nakonechna waren bereits mit Ausstellungen im EIGEN+ART Lab zu sehen; Mirjam Völker, Kristina Schuldt und Kai Schiemenz waren in Gruppenausstellungen in der Berliner und Leipziger Galerie vertreten

Kai Schiemenz
14. Januar 2014 - 18. Januar 2014 
Eröffnung: Dienstag 14.1. 2014, 17-21 Uhr

Kai Schiemenz (*1966 in Erfurt, lebt und arbeitet in Berlin) beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit Stadt, Raum und Architektur und der regulierenden Funktion, welche diese Konstrukte auf den Menschen ausüben. Seine kleinformatigen Skulpturen sind in sich geschlossene Gebilde, in denen er digitale Techniken mit natürlich Materialien wie Holz oder Papier kombiniert. Gleichzeitig fungieren sie als Modelle für raumfüllende Installationen und Architekturen für den Außen- und Innenraum, in denen Schiemenz über Blickachsen Räume konstruiert, die den Betrachter aufgrund Ihrer Durchlässigkeit direkt mit einbeziehen. Im Zentrum steht immer wieder die Frage nach dem Einfluss von gebauter Umwelt und urbanen Landschaften auf den Menschen. In seiner Einzelausstellung zeigt Schiemenz zwei neue Werkgruppen, in denen der Architekturbegriff sich mehr und mehr auflöst und die artifizielle Materialität der Oberflächen in den Vordergrund rückt.

Zu den Arbeiten von Kai Schiemenz 

Mirjam Völker
28. Januar 2014 - 1. Februar 2014
Eröffnung: Dienstag 28.1. 2014, 17-21 Uhr

Mirjam Völker (*1977 in Wiesbaden, lebt und arbeitet in Leipzig) beschäftigt sich in Ihren Malereien mit Behausungen. In Form von Baumhäusern, dürftig zusammengezimmerten Hütten, Wohnwagen oder Führerkabinen sind sie wie Fremdkörper mitten in die Natur platziert, werden vom Dickicht überwuchert und erobert. Diese Behausungen verfehlen ihren eigentlichen Zweck, nämlich Schutz und Sicherheit vor äußeren Einflüssen zu gewähren, und bieten Zeichen von Unbehagen und Fragilität statt Geborgenheit und Wärme. In ihren neuen großformatigen Papierarbeiten sind es provisorische Holzhütten, die auf wackeligen Stelzen in einem Geflecht aus Ästen ohne festen Boden stehen. Sie tragen Spuren ehemaliger Bewohner, und sind nun ganz sich selbst und der Natur überlassen, von der sie wie ungebetene Eindringlinge verdrängt und zu Fall gebracht werden.

Zu den Arbeiten von Mirjam Völker

Lada Nakonechna
11. Februar 2014 - 15. Februar 2014
Eröffnung: Dienstag 11.2. 2014, 17-21 Uhr

Lada Nakonechna (*1981 in Dnipropetrovsk, Ukraine lebt und arbeitet in Kiew) konfrontiert den Betrachter in ihren Zeichnungen, Installationen, Videos und Performances mit Bildern des aktuellen Zeitgeschehens und Bilderfahrungen aus dem kollektiven Gedächtnis, die sie manipuliert oder verfremdet. Häufig lässt sie dabei den Mensch in Form des Betrachters selbst zum manipulativen Störfaktor werden, der ein vorgegebenes Bild beeinflusst und verändert.

Für ihre Ausstellung platziert Nakonechna einen Turm in der Mitte des Galerieraums, der wie ein Leuchtturm oder Wachturm einen Lichtkegel auf die umliegenden Wände wirft. Um die Texte entziffern zu können, die auf den Wänden notiert sind, steht der Betrachter sich ständig selbst im Licht, wird geblendet und ertappt und muss sich mit dem Licht bewegen, um alles erfassen zu können. Der Leuchtturm ist eigentlich Symbol für einen stabilen Halt, einen Hoffnungsschimmer in der Ferne, an dem man sich orientiert, wenn man vom Weg abgekommen ist. Doch wo kann er hinführen, wenn das Licht von vier hohen Wänden in einem leeren Raum eingeschlossen wird?

Zu den Arbeiten von Lada Nakonechna

Kristina Schuldt
18. Februar 2014 - 22. Februar 2014
Eröffnung: Dienstag 18.2. 2014, 17-21 Uhr

Auf den Bildern von Kristina Schuldt (*1982 in Moskau, lebt und arbeitet in Leipzig) liegen, fallen, räkeln, verbiegen sich gesichtslose Frauenkörper, zweidimensional und tubisch. Sie gleichen dabei eher glatt polierten Maschinen als lebenden Wesen. Kristina Schuldt bedient sich ohne Scheu bei Bildformen der Klassischen Moderne, doch schafft sie etwa aus den Wellenhaaren eines Fernand Légers und den kräftigen schematisierten Körper, die an avantgardistische Bilder der 20er Jahre denken lassen, eine eigene und neue Bildsprache. Ihre Figuren setzt sie einer grellen Partybeleuchtung aus und verpasst ihnen mit ihren Zigaretten und Miniröcken eine Lässigkeit und Coolness, die eher an Teenies als an gestandene starke Frauen denken lässt. Während die Figuren und ihre Extremitäten in den früheren Bildern „hingelangweilt" ihrer Lage unterworfen waren, kommt in den neuen Arbeiten in der Ausstellung ein zunehmendes Bewusstsein von Moral ins Spiel, dass sich in den Körpern spiegelt.

Zu den Arbeiten von Kristina Schuldt

 

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