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Ricarda Roggan
Apokryphen
Ausstellung: 1. Mai - 20. Juni 2015

Eröffnung: 1./2. Mai 2015, 11-20 Uhr

 

Ricarda Roggan beschäftigt sich in ihren fotografischen Arbeiten mit vorgefunden Objekten, verlassenen Orten, Räumen und den Spuren, die Menschen dort hinterlassen haben.

In ihrer neuen Serie der Apokryphen nimmt Ricarda Roggan Gegenstände und archivierte Hinterlassenschaften bekannter Persönlichkeiten, Philosophen, Literaten und Komponisten in den Fokus. Die ausgewählten Objekte, die kleinen Archiven und Personenmuseen entstammen, liegen wie zur Abholung aufgebahrt, ganz als warteten sie darauf, fortgetragen zu werden. Entdeckt hat sie beispielsweise ein Rastral, das zum Ziehen der fünf Notenlinien von Johann Sebastian Bach genutzt wurde, einen Brieföffner von Wilhelm Raabe oder einen Bleistift von Kurt Tucholsky u.v.m.

Woher kommen sie, welche Geschichte ist den Objekten widerfahren, welcher Zeit gehören sie noch an und in welchem Licht erscheinen sie uns? Diese Fragen versucht Ricarda Roggan mit ihren Arrangements der Objekte, das in den Vordergrund Stellen von Alltagsgegenständen und ihrem klassischen fotografischen Blick zu erklären. Worüber unterrichtet die Betrachtung eines Bleistifts, den Kurt Tucholsky benutzt hat? Die Präsentation solcher Objekte hat offenbar eher auratischen, als dokumentarischen oder informativen Charakter. Die Reste treten aus der Anonymität der Alltagsdinge heraus und werden zu Stellvertretern.

„Apokryph sind die Dinge geworden, weil sie dem Werk ihres Besitzers oder ihrer Besitzerin nicht mehr angehören und gleichsam ein Schattendasein neben den geschriebenen Sätzen, Reimen und Werken fristen. Beiläufig sind diese Dinge geworden, marginal, oder wie nach Alexander Gottlieb Baumgarten die Randgebiete der Ästhetik als sciagraphisch bezeichnet wurden, keiner Ästhetik, keinem Kanon richtig zugehörig. Sciagraphia war bekanntlich auch die erste Bezeichnung, die der englische Erfinder der Photographie, William Henry Fox Talbot für sein Verfahren der reproduzierbaren Photographie auserwählt hatte. Schattenschrift eben, den Ursprungsmythos der Malerei evozierend.

Durch die behutsame Einrichtung der Dinge vermag Ricarda Roggan die Dinge für einen von deren Geschick, an die eigene Geschichte gebunden zu sein, zu befreien, um für uns dann beide, Geschichte und Erlösung, ins Licht zu setzen. Ricarda Roggans Dinge tragen ihren Anfang und ihr Ende zusammen und zum Anfang wieder hin. Dinge in der Zeit, Dinge im Raum."(1)

Die Motive der sorgsam von Ricarda Roggan inszenierten Bildwelten sind von kontextuellen Zuschreibungen befreit und entfalten im fotografischen Raum eine stille Magie, die den Blick auf die Eigenheit der Dinge lenkt. Roggan erzeugt Bildräume voller Echos und Widerhall, die unsere individuellen Erinnerungen und Assoziationen stimulieren und die Geschichten der Dinge zur Entfaltung bringen, ohne sie preiszugeben.

Ricarda Roggan (geboren 1972 in Dresden) zählt zu den wichtigsten deutschen Fotografinnen ihrer Generation. Sie studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig Fotografie bei Prof. Timm Rautert. Nach dem Meisterschülerabschluss, ebenfalls bei Prof. Timm Rautert ging Ricarda Roggan an das Royal College of Art nach London und machte dort einen Master of Arts. Heute lebt und arbeitet sie in Leipzig.

 

(1) mit einem Auszug aus dem Text: Das Geschick der Dinge. Die Apokryphen von Ricarda Roggan, Hubertus von Amelunxen

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