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Stef Heidhues, Martin Groß
Galerie EIGEN + ART Leipzig
22. Juni - 25. August 2018

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Das Schaffen von Martin Groß umfasst Zeichnungen, Textarbeiten und Installationen. Hat der Künstler sich in der Vergangenheit viel mit Strukturen und Räumen in der Zeichnung auseinander gesetzt, rücken jetzt für ihn Beobachtungen, Eindrücke, Figuren und Texte aus Kultur und Alltag mehr und mehr in den Vordergrund. Er selbst bezeichnet seine Arbeiten als „Landschaften“, wobei klar sein muss, dass nicht Naturstudien gemeint sind, sondern Informationslandschaften und soziale Räume. Diese bilden für ihn Systeme, um Informationen in Bilder zu übersetzen. Dabei kommt auch Sprache und Schrift eine große Rolle zu.

Persönliche Momentaufnahmen, Zitate, Transkripte und Samplings dienen als Grundlage, um Zeichnungen zu entwickeln, oder Wände und LED Boards damit zu bespielen und so einen eigenen Sinnzusammenhang herzustellen. In den Zeichnungen, welche der Künstler in Industry Painter auf Papier ausführt, vermischen sich diese mit einer charakteristischen Formensprache, welche das Auge des Betrachters herausfordert. Die Formen weisen eine digitale Komponente auf und scheinen doch in impressionistischer Manier aufs Blatt gesetzt. Die Farbigkeit wird dabei bestimmt von der industriellen Herstellung der Stifte. Die Farbpalette umfasst lediglich die Grundfarben sowie schwarz und weiß, wodurch jede Variation in klare Grenzen gelenkt wird.

Text: Rebecca Herlemann
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Uns begegnen Linien und Flächen. Linien, die sich mit Flächen überlagern und Flächen, die auf Linien treffen. Diese Linien scheinen (Blick‑)Richtungen und mögliche Bewegungen sichtbar zu machen, die bereits ausgeführt wurden oder noch passieren können. Sie deuten ein Verschiebungsmoment an. In Stef Heidhues’ Arbeiten manifestieren sich jedoch die entstandenen Formen keineswegs in einer Zweidimensionalität. Vielmehr ziehen sich die mithilfe von etwa Rundstahl oder Neonröhren materialisierten Linien durch den Raum und legen in ihrer Zeichenhaftigkeit Spuren. Die Künstlerin fügt ihren Rahmen oder Armaturen aus Stahl Materialflächen hinzu, zum Beispiel aus Leder oder Silikon, die über eine Beweglichkeit verfügen oder diese suggerieren. Damit definieren Heidhues’ Objekte und Installationen den vorgefundenen Raum und erzeugen zugleich ein Dazwischen, einen Raum, einen Zwischenraum. 

Am Anfang ihres Arbeitsprozesses stehen Zeichnungen, in denen die Künstlerin ihre Ideen so lange überprüft, bis sie für sie stimmig zu sein scheinen. Auf Basis dieser Zeichnungen entwickelt sie ihre dreidimensionalen Arbeiten. Ansatzpunkte für ihre daraus resultierenden Objekte und Installationen sind Nutzobjekte, architektonischer wie auch sozialer Raum und die darin stattfindende Interaktion. Die endgültige Form, die Essenz ihrer Arbeiten, legt sie durch Abstraktion und einen schrittweisen Prozess der Reduktion frei. Konkrete Anhaltspunkte und Ausgangsobjekte stellen für sie beispielsweise leere Billboards oder Schilderhalterungen dar. Diese leeren Halterungen begrenzen und definieren einen bestimmten Raum, der jedoch nicht mehr und zugleich noch nicht besetzt ist. Dadurch gewinnt dieser Raum für Stef Heidhues an Wert und Fülle, zumal er nicht auf eine einzige Bedeutung reduziert ist. „In dem Moment, in dem der Rahmen vorhanden, aber der Raum noch nicht besetzt ist, ist alles möglich“, erläutert die Künstlerin. 

Vervollständigt werden Heidhues’ Arbeiten jedoch erst durch den Blick der Betrachterinnen und Betrachter. Sie werden mithilfe der Hinweise und der von Stef Heidhues gelegten Spuren eingeladen, mit den Arbeiten in einen Dialog zu treten und können so die Leerstellen eigenständig und individuell füllen. Vielleicht gelingt es ihnen sogar, diese Leerstellen als eine Art Sehnsucht anzunehmen. Durch die Präsenz des Abwesenden eröffnet sich ein Spannungsfeld, in dem wir auf Widerstände treffen und umherwandern können. Ihre Arbeiten lassen uns nicht in Ruhe: Sie fordern zu einer Auseinandersetzung und einem Dialog heraus.


Luise Schröder
UNAMERICA – Relocating memories
Galerie EIGEN + ART Leipzig

22. Juni - 14. Juli 2018

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In ihrer Videoinstallation  UNAMERICA – Relocating memories“ beschäftigt sich Luise Schröder mit aktuellen Formen des Erinnerns und Gedenkens im War Relocation Center in Manzanar, einem ehemaligen Internierungslager für japanisch-stämmige US-Amerikaner*innen in Kalifornien. Am letzten Wochenende im April treffen sich dort, 350 km nördlich von Los Angeles, jährlich seit 1973 Überlebende und deren Angehörige, aber auch andere engagierte Gruppen. Sie gedenken gemeinsam der von Präsident Roosevelt durch die Executive Order 9066 autorisierten Zwangsumsiedlung und Internierung von über 10.000 Menschen in Manzanar. Diese Umsiedlung und Internierung wurden nach dem Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 und dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg von 1942 bis 1945 durchgeführt. Landesweit wurden insgesamt 120.000 Frauen, Männer und Kinder japanischer Herkunft zwangsumgesiedelt und interniert, was dem Schutz vor möglicher Spionage und Sabotage dienen sollte.Lange Zeit waren diese politischen Maßnahmen ein gesellschaftliches Tabuthema. 1985 wurde Manzanar schließlich als historischer Erinnerungsort von nationaler Bedeutung ausgewiesen sowie die dort geschehenen Vorgänge von Seiten der Politik offiziell als unrechtmäßig und rassistisch anerkannt.

Luise Schröder konzentriert sich in ihrem Video auf die verschiedenen historischen, politischen und visuellen Narrative, mit dem Ziel zu erfassen, wie und in welchen Formen die geschichtlichen Ereignisse gegenwärtig repräsentiert und rekonstruiert werden. Das Material für diese Videoarbeit recherchierte sie während ihres Stipendienaufenthaltes in der Villa Aurora in Los Angeles im Jahr 2016. In ihren multimedialen künstlerischen Arbeiten setzt sich Luise Schröder mit der Rekonstruktion und der Instrumentalisierung von Geschichte in der Gegenwart auseinander. Im Mittelpunkt ihrer Beschäftigung steht die Frage, inwiefern (in-)offizielles Gedenken durch politische, gesellschaftliche und mediale Entwicklungen beeinflusst und konstruiert wird. 

Die im Video verwendeten historischen Fotografien aus Manzanar stammen von Ansel Adams und Dorothea Lange, die für die War Relocation Authority arbeiteten. Ihre ambivalent zu betrachtenden Aufnahmen wurden durch die Authority entweder veröffentlicht oder zensiert. Später wurden sie zudem für die Dokumentation der Internierung herangezogen. Die Fotografien zeigen das Leben in Manzanar aus der Außenperspektive.

 

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