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not everything meeans something, honey
Tina Bara / Alba D'Urbano, Anna Baranowski, Christiane Baumgartner, Maja Behrmann, Birgit Brenner, Stef Heidhues, Laurette Le Gall, Kristina Schuldt, Jana Schulz, Hanna Stiegeler, Ulrike Theusner
Galerie EIGEN + ART Leipzig
Ausstellung: 3. August - 31. August 2019
Eröffnung: Samstag, 3. August 2019, 18 - 21 Uhr

not everything means something, honey

Eingeladen wurden 12 künstlerische Positionen unterschiedlicher Generationen, die in verschiedenen Medien arbeiten. Die Künstlerinnen behandeln Themen wie Identität, Auswirkungen einer staatlichen Übermacht, Krieg und Zerstörung, Werbung und Konsum, soziale Konflikte und Grenzen des Individuums, es eint sie alle die unausweichliche Präsenz ihrer Arbeiten.

Tina Bara und Alba D'Urbano zeigen zwei Arbeiten aus ihrem Projekt „Kunstwerke", in dem es um den Fortschrittsglauben und Vorstellungen der 1960er und 70er Jahre geht. Im Stil von Werbesendungen werden Haushalts- und Einrichtungsgegenstände dieser Zeit präsentiert. Dazu werden im Video „Kunstwerke 36" Kulissen aus James-Bond-Filmen dieser Zeit im Hintergrund verwendet sowie der Song „okay" von Ide Hintze, der darin Allen Ginsbergs Vorlesung „Meditation and Poetry" aufgreift, gespielt. Allen Ginsbergs Text steht für den intellektuellen und kulturellen Aufbruch. In der Fotoserie „Die Kunst und das schöne Heim" wird die Performance mit Abbildungen aus der gleichnamigen westdeutschen Wohnzeitschrift kombiniert. Mit absurden Bild- und Tonkombinationen und humorvollen Szenerien wird in diesem Werkzyklus nach den gesellschaftlichen Leitbildern und deren heutiger Bedeutung gefragt.

Anna Baranowski porträtiert in „Monumental" die in der mongolischen Steppe liegende Stadt „New Ordos". In nur 10 Jahren wurde eine Millionenstadt errichtet, die das Dubai Chinas werden sollte, jedoch nun als Geisterstadt brach liegt. Bis ins kleinste Detail ist alles durchdesignt: Denkmäler, Plätze und Videoprojektionen an Hochhausfassaden berichten von einer Kultur, die eine 10 Jahre alte Stadt nicht zu erzählen vermag. Voll automatisiert ist die Inszenierung einer historischen Hinterlassenschaft digital in die Oberfläche der Stadt programmiert, nur die Menschen, die jene Monumentalbauten bestaunen und bewohnen könnten, fehlen. Anna Baranowski tastet diese postapokalyptisch anmutende Szenerie, in der nur noch Denkmäler von der Menschheitsgeschichte berichten, filmisch ab. Die Betrachter*innen werden nicht nur zum/r letzten Hinterbliebenen einer verschollenen Gesellschaft, sondern gleichzeitig auch zum ersten Besucher eines Ortes, der auf den Startschuss in seine Zukunft wartet.

Christiane Baumgartner setzt fotografische Dokumente in Druckgrafik um und erzeugt damit eine Künstlichkeit realer Momente. In der Serie „Nordlicht", hier zu sehen „Nordlicht — 6:08 pm, 2018", versuchte Baumgartner den harten, sperrigen Werkstoff Holz mit einem leichten, sich bewegenden Motiv zu verbinden. Immer in ihren Arbeiten enthalten: Bewegung und Zeit. In „Schwarze und Weiße Sonne" wird die Erfahrung des Auges nachempfunden, die sich einstellt, wenn man lange in die Sonne schaut und dann die Augen schließt und die Sonne immer noch sieht, nur in schwarz. In „Strip, 2011" zeigt sie eine Aufnahme einer Dokumentation über den Zweiten Weltkrieg, vom Fernseher abgefilmt. Themen wie Zerstörung und Krieg, die über die Nachrichtensendungen vermittelt werden, greift sie immer wieder auf, setzt sie monumental auf übergroßen Holzschnitten, aber auch wie hier im kleineren Format als Fotoradierung um.

Maja Behrmann beschäftigt sich mit Formen und deren Charaktere und Beziehung zueinander. Berühren sie sich oder stoßen sie sich ab, welche Bedeutung haben sie und wo verteilen sie sich wie auf ihren Werken? Behrmann zeichnet, baut, kopiert, schneidet, überklebt, verwirft — sie sucht nach einem Alphabet ihrer Formen, nach Persönlichkeiten, die abstrakt sind, aber auch ein Gefühl vermitteln.

Birgit Brenner setzt mit ihren neuen animierten Filmen nun das um, was ihre Installationen und zeichnerischen Werke bereits vorausahnen ließen. In ihren Arbeiten bezieht sie seit jeher Schrift mit ein, kurze präzise Sätze entwickeln gemeinsam mit den Bildern Geschichten mit Anfang und (Happy) End im Kopf der Betrachter*innen. Nun überlässt sie es nicht mehr ihr/ihm, sondern fasst mehrere Erzählstränge zusammen und schafft eine komplexe Geschichte. Der neue Film „Sommer, Sonne, Sicherheit" erzählt in Episoden vom „emotionalen und finanziellen Überleben".

Stef Heidhues zeigt neue Objekte, die eigens für die Ausstellung entstanden sind. Ansatzpunkte für ihre Objekte und Installationen sind Nutzobjekte, architektonischer wie auch sozialer Raum und die darin stattfindende Interaktion. Konkret sind dies beispielsweise leere Billboards, Schilderhalterungen, Ladenbeleuchtungen sowie Räume wie Bars oder ganze Stadtteile. Die eigentliche Bedeutung der Dinge koppelt sie ab und füllt sie mit neuem Wert. Für sie sind Dinge nicht auf eine einzige Bedeutung zu reduzieren.

Laurette Le Gall befasst sich in ihrer Arbeit „Ich spreche ein bisschen Deutsch" mit dem Erlernen einer neuen Sprache. In der gängigen Fremdsprachenliteratur werden der Satzbau verkürzt und neue Vokabeln begrenzt verwendet. Was passiert, wenn man mit diesen limitierten Kenntnissen in eine Kommunikation gerät? Sprache ist Identität, das Mittel, wie wir mit der Welt in Kontakt treten, tagtäglich entstehen Missverständnisse, vieles bleibt ungesagt. Absurde und komische Dialoge sind zu hören, auch wenn die Sprache begrenzt ist, bleibt der Humor, der verbindet.

Kristina Schuldt erweitert mit den beiden großformatigen Collagen ihr künstlerisches Werk um Papierarbeiten. In ihren letzten Leinwänden begann sie, Figuren und Gegenständen kubistisch auseinanderzunehmen, nun passiert der Schritt des Zerschneidens zuerst und Schuldt fügt die einzelnen Teile auf dem Papier wieder zusammen. Bildthematisch bleiben der Mensch und die Bewegung im Fokus, die tubischen Körperformen sind präsent im Werk und warten auf eine Auflösung.

Jana Schulz porträtiert im Werk „Naunyn" eine Gruppe türkischstämmiger Jugendlicher. Im Speziellen werden hier Rituale der Gruppe aufgenommen - was bedeuten Gesten, Mimiken und Blicke, wie ist das Gefüge, der Zusammenhalt, fließende Übergange zwischen Profilierung und Zärtlichkeit sind zu entdecken, auch die Suche nach Identität. Der Titel verweist auf den Entstehungsort, die Naunynstraße in Berlin Kreuzberg. Die Väter der Protagonisten gehörten den 36 Boys an, eine Jugendbande aus Berlin Kreuzberg, die in den 90ern aktiv war. Heute gibt es die Gang nicht mehr, doch die Zusammenkunft wird von den Jüngeren fortgeführt.

Hanna Stiegeler zeigt die Fotoserie „Il figlio mistero" und fügt darin Illustrationen aus Musterbüchern für Schmiede, Darstellungen von Gittern und Toren sowie Paparazzi Fotos von schwangeren Prominenten zusammen. Ausgehend von den Formen der Gitterstrukturen wirft sie hier die Frage auf, was darf und soll an die Öffentlichkeit, was sollte privat bleiben, wie offen geht man mit persönlichen Informationen um und wo kommt dieses unstillbare Interesse am Privatleben von Prominenten her, besonders an den Veränderungen weiblicher Körper, vor allem während einer Schwangerschaft. Wieviel Bedeutung wird der Veränderung beigemessen, was ist das Interessante an der Spekulation?

Ulrike Theusners Inspiration liegt in der Großstadt, wo Individuen in ihrem alltäglichen Tun, aber auch mit ihren Träumen und Wünschen aufeinandertreffen, wo Ernüchterung eintritt, wenn Realität und Vorstellungen nicht übereinstimmen. Farbig in Pastell kommen Menschen, Situationen und Beobachtungen auf das Papier. „Chateau Marmont" die große fünfteilige Arbeit zeigt eine Werbetafel in Los Angeles mit wuchernder Botanik davor. Die Zeichenserie „New York Diaries" knüpft an die „Gespenster"-Serie, die bereits Stadtszenen, Porträts oder zwischenmenschliche Situationen zeigen, die Theusner erlebt hat.

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