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Uwe Kowski
Mein Zimmer
Galerie EIGEN + ART Leipzig
28.04.2012 - 28.08.2012


Mein Zimmer

Uwe Kowskis Bilder eröffnen sich dem Betrachter als ein farbenprächtiger Irrgarten. Auf den ersten Blick erscheinen sie wie ein undurchdringbares Geflecht aus abstrakten Formen und Farben, und begibt sich der Blick einmal in das Bild hinein, ist er gefangen. Das Auge wandert von links nach rechts, folgt Linien, die in Sackgassen münden, springt über Anhäufungen von Farbflächen und sucht automatisch nach dem roten Faden, der den Weg nach Außen markiert. Von dort, mit etwas Abstand, versucht es, einen Überblick über das Bild zu gewinnen und ihm eine inhaltliche Deutung zu entlocken. Man mag einen Kopf, eine Landschaft oder eine Struktur unter den Strichen ausmachen, Gewissheit aber erlangt man nicht, ob das Gesehene auch so gedacht ist, oder nur der eigenen Phantasie entstammt. Mit prägnanten Titeln wie „KAMMER" oder „Die Dinge" gibt Uwe Kowski zwar eine Richtung vor – das endgültige Bild aber entsteht im Auge des Betrachters und setzt sich nicht nur aus Farben, Linien und Flächen zusammen, sondern auch aus Assoziationsketten und Gedanken, die bei der Betrachtung geweckt werden.

Waren es in den früheren Arbeiten von Uwe Kowski häufig Schriftzeichen, die sich hinter dem Farbgerüst verbargen, bilden sich in „Mein Zimmer" oder „TIER" fast konkrete anatomische Formen unter der Schicht der Farbflächen heraus, ganz ohne Konturen zwar, die sie als fassbare Körper umreißen würden, stattdessen evoziert durch die bewusste Platzierung farblicher Kontraste nebeneinander. Das Porträt ist seit Uwe Kowskis Studienzeiten in den 1980er-Jahren an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig nie ganz aus seinem Werk verschwunden. Hier wird es nun auf ganz andere, abstrahierte Weise wieder aufgegriffen und lässt ihn ein Stück weit näher an den Betrachter heran kommen, indem er ihm die eigene und so gewohnte Körperform entgegensetzt.

Auch die Palette hat sich in den neuen Arbeiten verändert und hält sie wie ein Rahmen zusammen. Statt satten, ungebrochenen Farben hat sich ein wärmerer, pastelliger Grundton auf die Leinwand gelegt und auch die Zeichnung ist zarter geworden. Weiß, rosa und grau überdecken allmählich die dunkleren und kräftigen Farbschichten, wie sich in „Küche'", dem ersten Bild aus der neuen Werkgruppe, deutlich ablesen lässt.

Für Uwe Kowski gibt es nur einen einzigen Weg im Prozess des Malens, dem er intuitiv folgt, auch wenn den Bildern immer eine anfängliche Idee zugrunde liegt. In den neuen Arbeiten hat er sich länger als früher mit einzelnen Bildern beschäftigt, die Leinwand auch mal zur Seite gestellt, um die Bilder neu zu sehen und mit etwas Abstand weiter zu bearbeiten. Entstanden sind dabei vermehrt Anhäufungen und Hügel, die sich auf der Leinwand zu komplexen Farbgebirgen aufstapeln und Schicht um Schicht in ihrer sorgfältig gewählten Komposition aus Flächen und Strichen ein Ganzes ergeben - eine Oberfläche und eine Bildwelt, die wie die Erde aus unendlichen tiefen, dichten und sich überlagernden Krusten besteht.

Uwe Kowskis Bilder sind immer beeinflusst von seinem direkten Umfeld, von aktuellen Geschehnissen oder soziologischen Fragestellungen. Vor allem aber sind sie eine Beschäftigung mit der Malerei selbst, mit ihren originären Bestandteilen – Linie, Form, Farbe, Fläche und der ihr innewohnenden Möglichkeit, (Assoziations-)Räume zu schaffen, ohne Räume oder Objekte im Raum darzustellen.



 

 

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