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Birgit Brenner
Final Call
Galerie EIGEN + ART Leipzig
9. Januar - 20. Februar 2021

In Birgit Brenners Ausstellung „Final Call" steht ihr erstmals gezeigter gleichnamiger 32-minütiger Film, der während ihres Stipendienaufenthalts in der Villa Massimo entstanden ist, im Mittelpunkt. In Leipzig wird er auf einer großformatigen LED-Wand präsentiert, und thematisiert die gravierenden sozialen Folgen der Entfremdung des zeitgenössischen Menschen und die rapide voranschreitende Zerstörung der Welt.

Nach dem Schema der Schöpfungsgeschichte führt uns Birgit Brenner ein dystopisches Szenario vor Augen. Ihre Protagonisten, ein Mann und eine Frau, werden nicht mehr gebraucht, da die digitale Revolution sie überflüssig gemacht hat. Sie kennen sich nicht, sondern verbringen zufällig am gleichen Ort eine Woche Urlaub, in dem sie sich langweilen, aber auch einen neuen Lebenssinn suchen – sei es mittels eines Naturerlebnisses, in einer Natur, die es nicht mehr gibt, in Buchratgebern oder der Suche nach Liebe, die im Sextourismus endet. Alle Erlebnisse werden durch das dröge Dazwischenschieben des Smartphones ihrer Realität entzogen, entfremdet. Zunehmend ratlos kommentiert ein Social Bot die Handlungen der Personen. Mensch und Tier unterliegen im Film dem Social Scoring, wie es in China bereits schaurige Realität geworden ist. Freiheit ist zur tristen Illusion geworden.

Aufbauend auf die seit Herbst 2020 laufende Ausstellung „Promise Me" in der Städtischen Galerie Wolfsburg, setzt Birgit Brenner ihre Auseinandersetzung mit dem Medium Film fort:

„Ich habe meine zweidimensionalen Arbeiten immer als 'Standbilder' bezeichnet. Jetzt montiere ich diese Standbilder hintereinander und nicht nebeneinander. Was entsteht dabei? Was verändert sich dadurch? Mir gefällt es, dass der Film eine zusätzliche Erweiterung bringt, die mir erlaubt, noch mehr zu erzählen. Er befreit mich von räumlichen Beschränkungen und gibt mir die Möglichkeit, unterschiedliche Welten zu eröffnen."*

Mit „Final Call" gibt uns Birgit Brenner einen scharfsinnigen Kommentar zur Verlorenheit des Menschen unserer Zeit an die Hand und weist auf die Dringlichkeit des Handelns in Hinblick auf den Zustand der Welt hin, ohne dabei belehrend zu wirken:

„Wir schauen zu und wissen nicht, was wir tun sollen. Oder wir wissen, was wir tun sollten, tun es aber nicht, weil das System dann kollabiert. Das ist vielleicht immer schon das Menschheitsproblem gewesen. Statt uns mit den Ursachen zu befassen, reparieren wir notdürftig die Schäden. Das Handeln hinkt den Abläufen hinterher."*

*Auszüge aus einem Interview mit Birgit Brenner, geführt von Anke Sterneborg

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