Brett Charles Seiler
occasional lovers
Einzelausstellung
1. Mai – 20. Juni 2026
Eröffnung: Freitag, 1. Mai, 18 – 21 Uhr
Gallery Weekend Berlin 1. – 3. Mai 2026
Die Galerie in Leipzig ist barrierefrei. Eine Rollstuhlrampe ist vor Ort vorhanden. Bei weiteren Fragen wenden Sie sich gerne an uns unter 0341 - 960 78 86.
Hier finden Sie den Flyer zur Ausstellung mit Text, kurzer Biografie und ausgewählten Abbildungen:
Faltblatt
Wir freuen uns die aktuelle Ausstellung occasinal lovers von Brett Charles Seiler anzukündigen, die am Freitag, 1. Mai ab 18 Uhr in unserer Berliner Galerie im Rahmen des Gallery Weekend Berlin eröffnet.

In der Ausstellung occasional lovers dokumentiert Brett Charles Seiler das Spannungsfeld unverbindlicher Begegnungen. In großformatigen Kompositionen und kleineren Studien stellt er eine Reihe von Atelierbesuchern dar; seine Bilder der Serie midday, midnight, and morning-after („Mittag, Mitternacht und der Morgen danach“) sind dabei von einem Gefühl der Unruhe umgeben. Wo seine frühen Arbeiten Momente geteilter Intimität und Lust zeigten, erscheinen die Figuren hier nicht bei der Sache, fast niedergeschlagen zu sein, mit emotionslosem Ausdruck. Das Wort „occasional“ – „gelegentlich“ – habe etwas Beunruhigendes, so der Künstler. „Da sind Geheimnisse und Schatten, da liegt Scham.“

Gefertigt in der reduzierten Palette bestehend aus schwarzem Bitumen, Dachfarbe und weißer Kreide sowie unbehandelter Leinwand, wie sie zu Seilers Markenzeichen geworden ist, strahlen die Werke farblich gedeckte Nostalgie aus. Seine abgebildeten Figuren nennt der Künstler im Gespräch zärtlich „meine Leute“ und zählt eine Reihe von Freunden und Musen auf – Clemence, Felix, Prince, Bradley, Lukas, Adam und Terence, um nur einige zu nennen – ein „Bouquet Of Boys (David and his friend, whose name is also David)“ („Strauß von Jungen (David und sein Freund, der auch David heißt)“), wie ein Werk betitelt ist. Es sind auch zwei Frauen zu sehen, die damit aus der Reihe tanzen. Die Porträts weisen selten große Ähnlichkeit mit ihren Modellen auf: Sie seien keine Beschreibungen von Individuen, so Seiler, sondern vielmehr Erinnerungen an die gemeinsam im Atelier verbrachte Zeit, ausgeschmückt und ergänzt mit Erinnerungen und selbstreferenziellen Bemerkungen. Seine Arbeitsweise, so deutet er an, basiere auf einer gewissen Dringlichkeit: niemanden zu vergessen, nichts auszuschließen, diesen Ort, diese Menschen, das ganze Gefühl in Erinnerung zu behalten.

In Seilers Atelierszenen sind die Abbilder seiner Figuren in Skizzen an der Wand oder auf zufälligen Requisiten festgehalten, neben ihnen Anspielungen auf frühere Werke und frei schwebende Bilder aus anderen Umgebungen. Die vom Künstler gemalten Böden, genau wie jene in seinem echten Atelier, offenbaren einen Gemütszustand und zeichnen das Unterbewusste und Surreale zwischen den Terpentinflaschen, Farbtöpfen, Eimern und Pinseln nach, die seine Szenen durchdringen. „Das Atelier besitzt eine eigene Kraft; es ist ein Ort, an dem Dinge verloren gehen, nur um später wiedergefunden zu werden“, sagt Seiler. Es sei auch eine Art Geliebter, deutet er an, beständig statt flüchtig, eine ganz eigene Persönlichkeit.

Anders als seine großformatigen Porträts bieten Seilers reduzierte Studien – ambivalent und nur unbestimmt triebhaft – flüchtige Eindrücke derselben Porträtierten in Isolation. Die meisten sind als Büsten dargestellt, wenige als gerahmte Fragmente (ein Schritt, ein Torso, ein Gesäß). Vor dem undeutlichen Hintergrund, der ebenso charakteristisch für diese Werke ist wie ihre Figuration, wirken die Individuen umso unsicherer und verletzlicher. Die umgebende Leere sei, so Seiler, weniger ein Mangel an Kontext als vielmehr „ein Raum, um das unabhängige Selbst zu verhandeln“. Ohne ein Versteck bleiben die Figuren sehnsüchtig und wartend zurück.

Neben seinen Gemälden finden sich in der Galerie auch Motive aus den Atelierkompositionen des Künstlers in Form von geschnitzten Holzobjekten wieder: „Cock“-Flaschen, „Spite“-Dosen, halb gerauchte Zigaretten und Äpfel – allesamt Symbole oraler Fixierung, aber auch durch Konsumismus künstlich geschaffener Begierde, verbotener Lust und romantischen Verrats. Ergänzt werden sie durch Assemblagen aus gefundenen Koffern, die sowohl an die grundlegende Rastlosigkeit erinnern, die Seilers unstetes Leben maßgeblich prägte, als auch an die Vorahnung des Besuchs – oder auch Abschieds – eines potenziellen Liebhabers. Die Aphorismen des Künstlers, die in seinen Porträts festgehalten oder als eigenständige Arbeiten präsentiert werden, verleihen dem ansonsten zurückhaltenden Ton seiner Gemälde eine gewisse Prägnantheit. Ironisch und pathetisch zugleich thematisieren diese Einzeiler queere Männlichkeit sowie die Versprechen und Gefahren der Promiskuität mit einer verdrehten Klarheit, wie sie einen nach der Afterparty ereilt. „Unfaithful me making out with unfaithful you“ („Ich, untreu, wie ich mit dir, untreu, rumknutsche“), lautet einer; „Wank and cry“ („Wichsen und weinen“), ein anderer.
Beim Betreten der Ausstellung taucht der Betrachter in eine Nachstellung von Seilers Atelier ein und wird selbst zu einer weiteren Figur in der Menge, zu einem gelegentlichen Liebhaber unter unzähligen anderen. Hemd ausziehen, Zigarette anzünden, nach Möglichkeit nicht an einem Apfel ersticken. Kommen und gehen, berühren und abhauen.
Lucienne Bestall
(Übersetzung Hagen Hamm)
