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Melora Kuhn
Tales from the Dark
Galerie EIGEN + ART Leipzig
5. Juni - 10. Juli 2021

Director and Cinematographer: Ethan Palmer
Composer: Jóhann Jóhannsson



Melora Kuhns neue Ausstellung „Tales from the Dark“ zeigt genau das: Geschichten aus der Dunkelheit, wobei sich die Künstlerin mit dem Dunklen in all seinen Facetten auseinandersetzt. Es bedeutet hier nicht einfach nur Finsternis, Nacht, das Böse oder sogar den Tod, sondern stellt einen Ort der Veränderung dar, des Loslassens. Die Art der Veränderung, die das Dunkle mit sich bringt, mag nicht immer einfach oder willkommen sein, aber sie ist ein notwendiger und wichtiger Teil der conditio humana. Wenn die Dunkelheit das Ende eines Kapitels herbeiführt, öffnet sich gleichzeitig eine neue Tür: was heute ist, kann nicht ewig sein, sonst wird es kränklich und stagniert. Ohne Winter kein Frühling, und ohne Dunkelheit kein Licht.

Die Aufgabe von Illusionen, Glaubenssätzen und Einstellungen, die nicht mehr dienlich oder zeitgemäß sind, ist so eine Art der Veränderung. Entsprechend setzt sich Kuhn in ihren neuen Werken, allesamt in Öl, beispielsweise mit dem Patriarchat auseinander. In „Heritage“ sehen wir Portraits historischer Frauengestalten über einem offenen, leeren Buch. Allzu oft von der Öffentlichkeit ausgeschlossen oder schnell in Vergessenheit geraten, müssen ihre Biografien mitsamt ihres Erbes erst noch Eingang in das Geschichtsbuch der Menschheit finden, unter ihnen beispielsweise die Schriftstellerin Margaret Fuller oder die Astronomin Maria Mitchell. Geschlechterdynamiken sind auch Thema in „Red Wood“, in welchem Kuhn direkt Bezug auf Solimenas „Boreas raubt Orethyia“ aus dem Jahr 1695 nimmt. Das ursprüngliche Gemälde behandelt Boreas, der in die Tochter des Königs von Athen, Orithya, verliebt ist, doch weil sie ihn zurückwies, entführt er im Zorn die verängstigte Frau. Die missbrauchte Orethyia befindet sich bei Kuhn im blutroten Wald, aber ein Ausweg ist sichtbar: ein hellblauer Himmel am Horizont, Hoffnung nach der Dunkelheit.

Der Wald tritt gleich mehrmals in Erscheinung; zwar Ort des Schattens stellt er gleichzeitig auch einen Ort der Ruhe dar. Er bietet Zeit zum Nachdenken und für Reflexion. Die Tiefe, die Kuhn ihren Bildern verleiht, intensiviert diesen Eintritt in die Innenwelt. Der Wald steht als Übergang von einer Lebensphase zur nächsten, hier können Pläne geschmiedet und über nächste Schritte nachgedacht werden.

Auch die Tischdecke zieht sich durch Kuhns neue Bilder. Aus historischer Sicht nimmt sie zum einen Bezug auf die komplizierte Geschichte von Baumwolle und gleichzeitig erinnern der knittrige Stoff und die leeren Tassen an eine geflickte Landschaft von Familienfesten. Inwieweit berührt unsere Vergangenheit die Gegenwart? Wie eine Landkarte führt der Faden durch vergangene Geschehnisse.

Dunkelheit bedeutet natürlich auch das Mystische, ausgedrückt beispielsweise im Schloss, und hier knüpft die Künstlerin an ihr vorangegangenes Werk an: die Bildsprache von Mythologie, Märchen und Elemente des Fantastischen waren stets Teil ihrer Auseinandersetzung. Indem sie Personen oder Symbole isoliert und in einen neuen Kontext stellt, schreibt Kuhn Narrative um und macht das politische Unbewusste sichtbar.

Gleichzeitig spricht Kuhn in ihren aktuellen Werken eine neue Sprache. Das Einhorn, ein zentrales Werk der Ausstellung, ist in dem Bild nicht einfach nur Sagengestalt, es ist ein mystisches Lebewesen, an welches seine Schöpferin glaubt. Es thront auf gleichzeitig bescheidene, anmutige und mächtige Art und Weise zwischen den Bäumen – hier wieder das Symbol des Waldes – und sitzt an der Schwelle zwischen Licht und Dunkel, blickt mit einem Auge Richtung warme Orange- und Pinktöne, mit dem anderen Auge zum/zur Betrachter*in im Wald. Als eines der magischsten aller fantastischen Lebewesen wird dem Einhorn nachgesagt, es könne sich unbeschwert zwischen den Welten bewegen und stehe deshalb für die Ausdehnung unserer Vorstellungskraft. Bei den Griechen, Babyloniern und Persern galt es als Symbol von Gesundheit und Reinheit.

Kuhns Werke gleichen Tagebucheinträgen, die Veränderungen dokumentieren: kleinere, persönliche sowie große, hochpolitische. Sie betreffen uns als Individuum und uns als Menschheit. In „Tales from the Dark“ lädt Kuhn uns dazu ein, den Geist zu befreien, unserer Intuition zu folgen, an unsere Kraft und Heilung zu glauben. Es ist ein Werk voll Licht und Hoffnung.

Jana Mader

Zu den einzelnen Arbeiten der Ausstellungen gelangen Sie HIER.

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