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Ryan Mosley
Upon Peaceable Land
Galerie EIGEN + ART Leipzig
10. Juni - 3. September 2022

Das Leben einer Person setzt sich zusammen aus einer Vielzahl an zurückgelegten Strecken und damit verbundenen Erfahrungen. Blicken die sich Erinnernden zurück auf den hinter ihnen liegenden Weg, so offenbaren sich ihnen sowohl holprige Abschnitte als auch solche, die geradlinig und unbeschwert verlaufen sind. Diese wie jene werden zu einer in sich schlüssigen Logik zusammengeführt, die sich als für die Persönlichkeit konstituierende Narrative heranziehen lässt. Möchte man das Zurücklegen dieser Wege als Reisen bezeichnen, so ließe sich etymologisch eine Parallele herstellen zum englischen rise, aufstehen, emporsteigen, sich erheben zu dem, was einem bestimmt ist. Eine Parallele, die auch in den Stoffen der Bildungsromane auftaucht, in denen das Reisen zu inneren Veränderungen führt.

In Ryan Mosleys neuer Ausstellung „Upon Peaceable Land“ in der Galerie EIGEN + ART Leipzig wirft der Künstler einen Blick auf die Reisen und Wege seiner Protagonist*innen. Dabei sind die Situationen, in denen sich die Figuren befinden nicht immer ohne Ambivalenz. Oft haftet den Bildern eine leicht unheimliche, bizarre Stimmung an. Und doch sind sie immer eingebettet in eine einlullende Märchenhaftigkeit, eine magische, traumhafte Welt. Die Kamele, die wiederholt als Reittiere in Erscheinung treten, stehen von jeher für Geduld, Umsicht, Klugheit und Beharrlichkeit. Sie tragen ihre Reiter unbeirrt in die ihnen zugedachte Zukunft, begleitet von melancholischen Klängen, die der Liebe, der Zusammenkunft, dem Mond und dem Boden huldigen, der den müden Füßen der Reisenden friedsam und verlässlich Widerstand bietet.

Inspiriert wird Ryan Mosley durch ihm bekannte Personen und Figuren aus Traumwelten, seiner Fantasie, der Kunstgeschichte oder seinen Erinnerungen. So greift er in fantastischen Sujets die klassischen Traditionen der Kunstgeschichte auf, nicht ohne sie gleichzeitig auf die Probe zu stellen und auf spielerische Weise den mit der menschlichen Existenz verbundenen Humor heraufzubeschwören.

Die Werke in Ryan Mosleys neuer Ausstellung bilden sowohl Bewegung als auch Stillstand ab. Die Abgebildeten ziehen hin zu Orten, an denen sie ihren Leidenschaften und Talenten frönen können. Dort halten sie inne und kommen im wahrsten Sinne des Wortes zu sich. Das Farbdickicht, in dem sich Mosleys Protagonist*innen bewegen, ist als ein Offenlegen ihrer Seelenlandschaften zu verstehen. Es ist ein Reigen, der sich auf das Gemüt der Betrachter*innen überträgt und sie ins Bildgeschehen mit einbezieht; und durch die Unwägbarkeiten unserer Zeit eine Utopie auferstehen lässt, die Hoffnung macht auf ein friedliches Land jenseits unserer Realität.

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