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Seasons
Ryan Mosley
12. März – 25. April 2026

Eröffnung: Donnerstag, 12. März, 17 - 20 Uhr

Die Galerie in Berlin ist nicht barrierefrei. Bitte rufen Sie uns vorher unter 030 - 280 66 05 an, wir helfen Ihnen gerne weiter, damit Sie die Ausstellung genießen können.

Hier finden Sie den Flyer zur Ausstellung mit Text, kurzer Biografie und ausgewählten Abbildungen:
FALTBLATT

Jahreszeiten werden nicht einfach nur wahrgenommen, sie werden durchlebt. Sie verändern die Art, wie sich unser Körper bewegt und anfühlt, noch bevor wir uns dessen überhaupt bewusst sind. In Mosleys Gemälden erscheinen Figur und Landschaft als fortlaufendes Ganzes, greifen seine Figuren doch die Konturen des Geländes auf oder scheinen gar aus ihm hervorzugehen. Sie sind vielmehr Teil der Landschaft, als bloß in sie hineingesetzt. Im Bild Bedrock wirkt die schreitende Gestalt eingebettet in dieselbe bildliche Ebene wie das Wasser und die Felsen hinter ihr. Der Körper bedient sich der Farben der Landschaft, die Haut gestriffen vom pfirsischfarbenen Licht des Abendrots. Dort, wo wir oft unseren Körper als Grenze zwischen Innenleben und Außenwelt erleben, machen diese Gemälde stattdessen ein Fortbestehen sichtbar und implizieren, dass das Erleben von Jahreszeiten sowohl intern als auch extern stattfindet, es sowohl mit dem Körper wahrgenommen als auch von der ihn umgebenden Welt geprägt wird.

Ein solcher Ansatz weckt Assoziationen zu der Phänomenologie Maurice Merleau-Pontys: Diese lehnt die Idee von Natur als neutralem Hintergrund ab, wahrgenommen von einem losgelösten Beobachter. Für Merleau-Ponty ist die Wahrnehmung im Körper verankert und wird durch Bewegung, Körperhaltung und die Sinne verarbeitet. In Mosleys Bildern verorten spärlich gesäte Details – ein Hut, eine Flasche, die Art der Haltung einer Gestalt – die Figuren auf gesellschaftliche und dingliche Weise und setzen diese inszenierten und doch verkörperten Begegnungen in eine Zeit und an einen Ort, gleichermaßen wiedererkennbar und doch jenseits menschlicher Kenntnis.

In der gesamten Ausstellung erschafft Mosley Welten, in denen Bäume, Berge, Schnee, Sonne und Seen vielmehr aktive Elemente als nur Hintergründe sind. In der schneereichen Szene von Certainly Mackinaw Weather wird diese Aktivität mit dem Körper spürbar: Wir erleben einen imaginären Schauer, eine vorweggenommene Reaktion auf den jahreszeitlichen Wechsel, gefolgt vom instinktiven Griff nach einem uns bereits vertrauten wärmenden Mantel, im Wissen um das Kommen und Gehen der Jahreszeiten. In diesem Sinn verweist der Ausstellungstitel nicht nur auf geografische Jahreszeiten, sondern auch auf jene des Geistes beziehungsweise auf innere Zustände, die von den Rhythmen verstreichender Zeit beeinflusst werden. Diese Logik breitet sich über alle Bilder hinweg aus. Sie alle verleihen Körper, Landschaft und Wahrnehmung ein Fortbestehen, mit der Gestalt als Scharnier zwischen dem Erleben im Innen und der Welt im Außen.

Beth Hughes

Übersetzung: Hagen Hamm

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