WAS ICH WILL: Die Künstlerinnen der Galerie
Gruppenausstellung
5. September – 24. Oktober 2026
Eröffnung:
Samstag, 5. September 2026
Herbstrundgang der SpinnereiGalerien
Samstag, 5. September, 11 - 20 Uhr
Sonntag, 6. September, 11 - 16 Uhr
Die Galerie in Leipzig ist barrierefrei. Eine Rollstuhlrampe ist vor Ort vorhanden. Bei weiteren Fragen wenden Sie sich gerne an uns unter 0341 - 960 78 86.
Musik: Trixi Linden (Instrumental Version "Was ich will")
Film & Edit: @galerie_eigenart

Polyphonie
Wenn die Künstlerinnen einer Galerie zusammenkommen, um als Individuen Teil einer gemeinsamen Ausstellung zu sein, dann steht diese unter einem besonderen Stern. Die 17 Künstlerinnen waren eingeladen, Werke zu schaffen oder auszuwählen, die unter dem Titel „WAS ICH WILL“ die vielfältigen Facetten weiblichen Lebens und Erlebens aufgreifen. „Was ich will“ suggeriert eine Sicherheit, einen festen Stand, eine Erkenntnis, die aber immer wieder unterlaufen wird und ins Schwanken gerät. Doch in jedem Fall bedeutet der Titel eine Ansage.
Die Polyphonie ihrer künstlerischen Stimmen hebt an und führt durch die Kunst ins Leben. Zu Erinnerungen und Sehnsüchten, zu denen, die man liebt, zu Ängsten und Traumata, zur Frage, wer man ist, zu wem man gemacht wird, zu wem man sich selbst gestaltet, dazu, wer man bleibt, wenn manche Fassade, manches Gerüst wegfallen, wenn nur noch die Hoffnung da ist (aber wieviel Kraft kann sie geben!), wenn die Traurigkeit so stark ist, dass man sich nur noch an das Elementarste halten kann, wenn der Krieg so viel genommen hat? Wohin lösen wir uns auf, wenn die digitale Welt realer wird als der Boden, auf dem unsere Füße stehen?
All das und mehr klingt an und nimmt medienübergreifend Form an. Da gibt es romantische Verbindungen in die Vergangenheit, die Porträts einer vor über 100 Jahren vorangegangenen Generation, entstanden im Fotografenatelier, um Andenken für die zu sein, von denen der Große Krieg sie trennen wird, dann ein Schlagzeug, das uns in die Gegenwart holt und jugendliche Lebendigkeit im Jetzt zelebriert und zugleich den unerträglichen Gedanken eröffnet, was wäre, wenn auch der junge Drummer, dieses Kind in früher Blüte, gezwungen wäre, in einen Krieg zu ziehen. Sein konzentriertes Spiel, Trommelschlag um Trommelschlag, ist dem militärischer Kapellen verwandt und doch so fern davon.

Dann das abstrahierte Gerüst einer Schaukel. Das Vorbild dieser Abstraktion wurde in einem anderen Krieg zerstört, es wird zum Sinnbild einer geraubten Möglichkeit, kindlich ausgelassen zu sein. Es steht für den Verlust des Ortes, an dem einmal in Frieden gespielt werden konnte. Das Fragment der Schaukel steht nun im Land der Zuflucht, der neuen Heimat des Kindes und seiner Mutter.
Schwarze Blumenblüten, Veilchen wohl, sind in einem anderen Werk in einen sich selbsterhaltenen Zyklus eingebunden. Eine Flüssigkeit tropft von der einen Blüte in die andere, tröpfelt ihr etwas ein. Über ein Rohr sind sie miteinander verbunden, eine fortlaufende Übertragung findet statt. Vormals „sittsam und rein“, wie es im lieblichen Poesiealbumspruch heißt, scheinen sie mit ihrer schwarzen Farbe und schmierigen Oberfläche nun nicht mehr zu sein. Hier klingt die genetische Vererbbarkeit von Traumata an, der Unausweichlichkeit, dem zu entkommen.
Und schließlich steht die große Frage nach der Bedeutsamkeit der Liebe im digitalen Zeitalter im Raum. Die kapitalistische Verheißung der Datingplattformen suggeriert unendliche Möglichkeiten und spitzt sich auf die Hoffnung zu, dass das ideal zu einem passende match ganz einfach per swipe zu erreichenden sei. Perfektionszwang in Beziehungen erreicht dann schreckliche, irreale Höhen, wenn die tatsächlich gelebte Beziehung mit der vermeintlich möglichen, zukünftigen, bislang nur im Digitalen angenommenen verglichen und dadurch abgewertet wird.

Der Strahlkraft und Wirkmacht, die von den Werken in der Ausstellung ausgeht, wird man sich nicht entziehen können. Sie stellen radikal in Frage, dekonstruieren, bauen neue Visionen, sind Traumbilder, sind harte Realitäten, sind mal zart und subtil, mal in your face. Sie sind so mannigfaltig, wie unsere Leben es sind und doch lässt sich eigenes Erleben und Empfinden immer wieder als vergleichbare gemachte Erfahrung daran anknüpfen.
„Was ich will“ ist wie ein Schrei, dringlicher denn je.
Dr. Elisa Tamaschke
Gezeigt werden aktuelle Arbeiten von Maja Behrmann, Birgit Brenner, Cihan Çakmak, Louisa Clement, Stella Hamberg, Stef Heidhues, Christine Hill, Gabrielle Kruger, Melora Kuhn, Lada Nakonechna, Madeleine Roger-Lacan, Ricarda Roggan, Yehudit Sasportas, Kristina Schuldt, Annelies Štrba, Ulrike Theusner und Mirjam Völker.