GABRIELLE KRUGER
Wir freuen uns seit 2021 diverse Projekte mit der südafrikanischen Künstlerin Gabrielle Kruger (geboren 1993, lebt und arbeitet in Kapstadt) zu verwirklichen.
Kruger experimentiert mit den malerischen Mitteln. Mal erscheint das einzelne Werk nahezu abstrakt, dann wieder fast hyperrealistisch, gar wie bestückt mit Objekten wie Muscheln, Seesternen, Blasentang, wie Herbarien, Terrarien, Blicke in Wälder oder botanische Guckkästen – man erwartet, gleich Fische vorbeischwimmen oder Käfer vorüberkrabbeln zu sehen. Einerseits erinnern die Bilder an Landschaften und sind von ihnen inspiriert, andererseits wachsen sie aus der Materialität der Farbe, aus ihrer Konsistenz. Natur und Malerei werden Objekt, Plastik und Performance.

Ausbildung
2018 Masters of Fine Art (with distinction) Michaelis School of Fine Art, The University of Cape Town (South Africa)
2015 Bachelors of Fine Art (cum laude) Visual Art Department, University of Stellenbosch (South Africa)
Stipendien und Preise (Auswahl)
2018 Certificate of Excellence from the 33rd Chelsea International Fine Art Competition, New York (USA)
2018 Artist in residence at Nirox Sculpture Park Cradle of Humakind, Johannesburg (ZAF)
Kooperationen mit EIGEN + ART (Auswahl):
2021
Space and Place, curated by Khanya Mashabela, Gruppenausstellung, Galerie EIGEN + ART, Leipzig
2022
Space and Place Vol 2, Pop-Up Exhibition by EIGEN + ART gallery, curated by Khanya Mashabela, Buitenkant Street, Kapstadt, Südafrika
2023
Mixed Media, Gruppenausstellung, Galerie EIGEN + ART, Leipzig
Investec Cape Town Art Fair, Stand von Galerie EIGEN + ART, Kapstadt, Südafrika
under~water~love, pop-up exhibition by Eigen + Art Gallery, Gruppenausstellung, Under Projects, Kapstadt Südarika
2024
Höhe x Breite x Tiefe, Gruppenausstellung, Galerie EIGEN + ART, Leipzig
Investec Cape Town Art Fair 10th Edition, Stand von Galerie EIGEN + ART, Kapstadt, Südafrika
wind swept paint, Einzelausstellung im EIGEN + ART Lab, Berlin
2025
Investec Cape Town Art Fair, Stand von Galerie EIGEN + ART, Kapstadt, Südafrika
Gerne senden wir Ihnen auf Anfrage weitere Informatioenn zu:
berlin@eigen-art.com

Ebene um Ebene taucht der Blick ein in die Tiefen der Farbwelten von Gabrielle Kruger, die den Mittelpunkt ihres künstlerischen Prozesses darstellen. Die Farbe bekommt in einem von ihr selbst entwickelten Verfahren eine ganz eigene Viskosität verliehen. Im feuchten Zustand erinnert sie an Klebstoff, kann als Verbindung fungieren und schafft Zusammenhänge. Getrocknet nimmt sie die Eigenschaften von Gummi an, lässt sich zu einer Vielfalt von Möglichkeiten formen. Sie dient als Stoff für Collagen, als Kleber oder Faden, wird geschnitten, geklebt, gewebt, geflochten, zerstückelt und wieder zusammengesetzt.

Beginnend auf einer Plastikfolie, nicht auf der Leinwand, erschafft Gabrielle Kruger Farbgebilde, die in dicken Schichten getrocknet und abgezogen werden, um auf dem noch feuchten Grund der Bilder weitere Ebenen zu formulieren oder eigene Skulpturen bilden. Bei dieser unkonventionellen Maltechnik entstehen Ranken und Blattstrukturen, Verzweigungen und Blätterfluchten, deren Farbbänder oder Tropen auch mal über die Grenzen der Leinwand hinausgreifen. Andere Werke zeigen geometrische Anordnungen, Kleckse und gespachtelte Farbmasse. In einer weiteren Reihe wird die Farbe zu Fäden gesponnen und zu imposanten Farbtextilen gewebt, welche die weibliche Tradition textilen Kunstschaffens ehren und gleichzeitig unterlaufen.

In ähnlicher Weise wird die Tradition der Landschaftsmalerei dekonstruiert durch den Prozess der Schichten und Ebenen. Hier trifft die Vegetation der Formen auf technische Verfahren und die Künstlichkeit des Acryls, Natur auf Kunststoff. Die Farbe ist in ständiger Bewegung. Ein Atelierdialog der Bewegung - der Übertragung und des Wandels, des Wachsens und des Werdens; der den sanften Wechsel der Jahreszeiten ebenso würdigt wie das abrupte Tempo des Wandels, dem wir gegenwärtig ausgesetzt sind. Allgegenwärtig steht die Farbe in ihrer Materialität und Beschaffenheit, ist absolut dominant und gleichzeitig doch Träger des so mitreißenden wie flüchtigen Landschaft-Eindrucks.

Der Prozess bestimmt das Werk und ist dabei selbst Performance, künstlerischer Akt. Sie gewinnt Kontrolle über das Medium und gibt diese gleichzeitig wieder ab, lässt Zufälle und Möglichkeiten zu. Die kunsthistorische Auffassung von Malerei wird auf eine performative Ebene gehoben. Die herkömmlichen Grenzen zwischen Gattungen verschwimmen, die Bilder können Malerei, Skulptur und Performance in einem sein, ohne einen Widerspruch zu bilden.
Das Spannungsverhältnis von Material und Gezeigtem verhandelt intuitiv die zeitgenössische Beziehung zwischen Mensch um Umwelt. Im Zeitalter des Anthropozäns ist die Natur bestimmt durch menschliches Handeln, die Umwelt mehr und mehr plastiziert und Landschaft vielmehr ein soziales und materielles Konstrukt. Die Formbarkeit des Materials Acryl in seiner Künstlichkeit spiegelt eben dieses Verhältnis wider und stellt damit gleichzeitig das traditionelle Verständnis von Natur und Malerei in Frage. Im Atelierprozess wird kein Tropfen Farbe verschwendet – alles wird wieder- und weiterverwendet, Farbreste leben in neuen Gemälden oder Skulpturen weiter und schaffen so einen übergreifenden Dialog. So laden die Bilder dazu ein, nachzudenken über den menschlichen Umgang mit der Umwelt, über die Verantwortung für das gesellschaftliche Handeln. Sie stellen Fragen, subtil und ohne eine bestimmte Lesart aufzudringen, die unsere Gegenwart im Innersten berühren, wie ein Hauch in der Luft, im Licht, wie Wind, der durch die Blätter fegt.
Diana Eicker
(im Rahmen der Ausstellung wind swept paint im EIGEN + ART Lab, 2024)

Blick ins Atelier:
In diesem Video können Sie Gabrielle Kruger bei der Enstehung ihrer besonderen Arbeiten über die Schulter schauen. Viel Spaß!