Maja Behrmann

Text

Maja Behrmann (*1994, lebt und arbeitet in Leipzig) schloss im Sommer 2021 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig ihr Studium in der Fachklasse für Malerei und Grafik bei Christoph Ruckhäberle ab. Sie stellt sich in ihrer künstlerischen Praxis der Herausforderung, ein Repertoire an Formen zusammenzustellen, das sich durch den Bezug zueinander erweitert. Behrmann legt sich dabei nicht auf ein Medium fest, sondern nutzt Skulpturen, Textilien und Prints gleichberechtigt nebeneinander. Fragen nach Möglichkeiten der Verbindung und Relationen ergeben sich. Was wächst zusammen, wo bleiben Fragmente freigestellt? Vormals unsichtbare Verbindungslinien werden erst durch Überlagerungen und Auslassungen sichtbar. Die Gefüge, die dabei entstehen, entwickeln so immer wieder neue Auswüchse und Ensembles. So auch in ihrer ersten Einzelausstellung, die im Januar 2021 im EIGEN + ART Lab stattfand.

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Ausstellungstext "cut, cut, collab", EIGEN + ART Lab 2021

Maja Behrmann arbeitet mit einer stetig wachsenden Sammlung an Formen, die sich kontinuierlich entwickeln und in Figuren manifestieren.
Aufgeführt in einem analogen Katalog und digitalen Speicher, der unterhalten werden will, häufen sich die Figuren als Vertraute an. Sie bedingen sich gegenseitig durch ihre Begegnungen mit- und untereinander. Dieses Konvolut ist als offener Kreislauf die Grundlage für ein Gefüge von Arbeiten und dessen eigenständigen Bestandteilen.

Formen verändern sich, lassen sich aber auch über Werkgruppen hinweg wiederfinden und zirkulieren in Leinwandarbeiten, Skulpturen und Strickbildern. Jede Weiterentwicklung, jedes neue Material, neue Form und einzelne Detail wiederum fließt in den Index zurück. Durch Ordnen und Umsortieren projizieren sich Ausschnitte aufeinander.

„Es ist wie ein System, das immer wieder aufbricht und an das ich anbaue. Der Zyklus bricht durch die Erfahrungen und Bedingtheiten mit verschiedenen Materialien und wächst durch die Zwischenergebnisse im Prozess. Diese Zwischenstadien, also Formen und Figuren in ihren Abweichungen und Kombinationen, zum Beispiel aus dem gestrickten Material, müssen dann wieder katalogisiert und aufgenommen werden.“

Verdichtet beschreibt sie ihr Vorgehen als ein ‚cut and repeat‘.
Einzelne Formen, Versatzstücke dieser und zusammengesetzte Muster werden gespiegelt, gedreht oder gekippt. Sie geht intuitiv vor, aber erprobt die Konstellationen und reagiert auf deren Funktionieren oder Nicht-Funktionieren. Dabei wiederholt sie dieses Probieren systematisch, es ist ein ständiges Vor und Zurück; vom einen zum anderen und zum nächsten.

Maja Behrmanns Arbeiten sind farbintensiv und grafisch – teils freigestellte Reduktionen, teils überlagernde Verdichtungen. Mit kleinen Umriss-Zeichnungen beginnend, reduziert sich Gesehenes durch wiederholendes Zeichnen – immer weniger Kurven und Kanten bleiben relevant:

„Das sind alles selektive, reduzierende Prozesse. Diese Zeichnungen habe ich irgendwo in dem einen Buch, dann brauche ich die Zeichnung aber in einem anderen Heft. So zeichne ich die gleichen Outlines oder Schatten letztendlich immer wieder und entwickle so die Formen und verkürze diese weiter.“

Erinnerung produziert Unschärfe. Die Formen verlangen ein Abwägen ihrer Lesbarkeit und Aneignung. In der Beschäftigung mit ihnen werden sie zu Vertrauten, manchmal verwehren sie sich aber auch dieser Zuschreibung. Unweigerlich werden sie zu eigenen Autoritäten.

Die Figuren von Maja Behrmann stehen jedoch selten allein. Begegnen sie sich, entsteht ein Spannungsfeld aus Zugehörigkeiten und Abgrenzungen, Nähe und Distanz – eine Probebühne, um Möglichkeiten der Bekanntschaften abzutasten. Sowohl im Zweidimensionalen als auch freigestellt im Raum agieren die Figuren und deren Fragmente aufeinander.
Möglichkeiten von etwaigen Versammlungen und Freiräumen werden durchgespielt und durchdekliniert. Mittels der Beschränkung auf ein Formenalphabet lassen sich zumindest kurzzeitig gültige Formulierungen finden und soziale Interaktionen spiegeln und nachvollziehen.

Vielleicht ist es auch der Begriff des Spielraums, den Maja Behrmann in ihren Bildräumen und Anordnungen szenisch untersucht:

„Raum und Zwischenraum ist immer eine Form, eine Negativform, und diese nehme ich auch gleich auf. Er ist zugleich eine äußere Beschreibung, welche man ebenso rezipieren kann, wie das, was die Figur an Präsenz inne hat: das Gefühl, welches sie vermittelt.“

Sie stapeln sich, wachsen zusammen und verbinden sich. Manche Formen oder Figuren stehen Maja Behrmann zeitweise näher; wären sie alle gleichsam, wäre es befremdlich.

Maja Behrmann ist Preisträgerin des Max-Pechstein- Stipendiums 2021 der Stadt Zwickau.

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