Martin Groß

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Bei Martin Groß (*1984 in Plauen) fing alles mit der Zeichnung an. Für seine monochromen, in Bleistift auf Papier ausgeführten Architekturvisionen wurde er 2011 mit dem Studienpreis der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig ausgezeichnet. 2013 ging er mit einem Atelierstipendium (The Woodmill Residency #4) nach London und begann im Folgejahr ein postgraduales Studium an der Royal Academy in der britischen Hauptstadt. Schon in seinen frühen Arbeiten wird erkennbar, was im künftigen Schaffen verstärkt an Bedeutung gewinnen sollte: sein Interesse an zeichnerischen Prozessen und hybriden Ausdrucksmitteln sowie die Auffassung von Zeichnung als Plan im Sinne einer kartografischen Verortung. Diese Grundelemente spielen eine zentrale Rolle in seiner künstlerischen Vorgehensweise, auch wenn Groß seither Formensprache, Farbpalette, Motive und technische Verfahren gründlich erweitert und zugleich präzisiert hat. Heute arbeitet er für seine raumgreifenden Installationen mit multimedialen Ansätzen, die vielfältige stilistische Ausdrucksmöglichkeiten erlauben.

Groß setzt dort an, wo es besonders unübersichtlich wird. Er bezieht seine Impulse aus der rasanten Taktung des großstädtischen Lebens im 21. Jahrhundert und verarbeitet in seinen Werken die täglich auf den Menschen einströmende und sich zugleich rapide ändernde Informationsflut von Zeichen, Tönen und Bildern. Dabei bezieht er sich zum einen auf die Lebenswirklichkeit heutiger Metropolen, deren verführerischer Konsumkosmos als alles überstrahlendes Lichtermeer zur Projektionsfläche für Gefühle, Wünsche und Träume transzendiert. Zum anderen referieren seine Werke auf die vehemente Präsenz digitaler Realitäten und auf die Schnelllebigkeit sich permanent überlagernder Bildschirmwelten. Groß filtert und übersetzt die Wahrnehmung dieser widersprüchlichen und fragmentierten Alltagseindrücke in Wortskizzen und Kurztexte unter gezielter Verwendung von Abkürzungen, Tippfehlern, Dateinamen, Memes, Emojis, Head- und Punchlines sowie Werbeslogans in englischer und deutscher Sprache. Damit knüpft er an die literarisch-bildnerische Herangehensweise der Konkreten Poesie an und aktualisiert das Verfahren um Elemente aus der Alltagskultur seiner Zeit und die damit verbundenen geänderten Kommunikationsstrategien.

Textauzüge aus dem Katalogtext „Meet Me in the Afterglow“ von Anka Ziefer, 2021

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