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Ulrike Theusner
All there is
Galerie EIGEN + ART Berlin
28. Mai - 4. Juli

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Ulrike Theusner mag die Idee des Welttheaters, die Vorstellung von Menschen als Ensemble, von Charakteren als Darstellern. Ihre Arbeiten spiegeln diese Faszination wider: „Jedes Bild ist eine kleine Bühne, ein ganz eigener Kosmos, eine Welt im Kleinen. Ich schaffe mit ihnen einen Raum. Jedes Werk ist ein kleines Stück. Darin wird etwas dargeboten und bestenfalls im Kopf des Zuschauers weitergespielt."

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Begreift man die Betrachtung von Theusners Bilderwelten als Rendezvous, dann beginnt man sich selbst als Teil der Inszenierung zu verstehen. Schließlich ist man auf derselben Bühne im selben Raum zeitgleich präsent. Macht die junge Frau im grünen Rollkragenpullover auf der Pastellzeichnung „Venus" (2019) etwa ein Selfie oder fotografiert sie gar den Betrachter? Im Faltenwurf ihres Pullis lässt sich die weiß schraffierte Silhouette eines wütenden Vogels ausmachen. Ein dystopischer Bote aus Theusners Universum, in dem Jugend eben nicht ohne Alter, Eros nicht ohne Thanatos, Schönheit nicht ohne Verfall, Liebe nicht ohne Schmerzen und das Gute nicht ohne das Böse denkbar ist.

Unter Janis Joplins' Zitatfragment „All there is" subsumiert die Künstlerin rund vier Dutzend Monotypien und Pastellarbeiten. Landschaften, Dämonen, Maskierte, Fratzen. Portraits meist orientierungslos wirkender junger Menschen in grellen, bunten Farben. „Bilder meiner Generation, meines Umfelds", so die Künstlerin, „eine Bestandsaufnahme unserer Zeit und unserer Stimmungen." Hinzu gesellen sich Requisiten aus ihrem Repertoire. Skelette, Vögel, Harlekine, Teufel. Theusners Welten bündeln Jenseits und Diesseits, Leben und Tod in einem untrennbaren, miteinander verwobenen Geflecht. Gleichsam bleiben ihre Werke als Momentaufnahmen dem Jetzt verbunden. „Unser tatsächliches Leben findet nur im Augenblick statt", sagt Theusner. „‚All there is' ist die Realisation des gegenwärtigen ‚Jetzt'-Zustandes, nichts wird in die Zukunft verlegt, alles was da ist, passiert in diesem Moment. Kunst hilft dabei, sich selbst zu erkennen und die verschütteten Pfade zu einer tief verborgenen Gefühlswelt frei zu räumen, vorzudringen bis an den eigenen Kern, an die eigene Wirklichkeit."

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Was vermag also eine Kunst, die Momente kondensiert, die keinerlei Flucht zurück in Nostalgie oder nach vorne in Zukunftsprojektionen zulässt, die jedwede Selbstdarstellung ad absurdum führt, in der die Portraitierten ihre Posen und Inszenierungen dem Betrachter wieder zurückspielen? Kunst kann weder Leben retten noch die Welt ändern, aber sie vermag das Leben lebenswerter zu machen und den Blick auf die Welt unserer inneren Landschaften zu richten. Neugier, Mut und Erkenntnisgewinn gehen dabei Hand in Hand. Das facettenreiche Ensemble aus Theusners Wunderkammer kann dazu den Anlass geben. Die Unwägbarkeiten und das Unbehagen, das Prekäre und das Irrlichternde ihrer Arbeiten sind ein Angebot, mitten im Panoptikum ihrer Protagonisten auch die eigenen Tiefen auszuloten.

Thomas Girst

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