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Tim Eitel
Vie imaginaire, chapitre II: Ensemble
Galerie EIGEN + ART Berlin
28. April - 5. Juni 2021

Film & Edit: TABLEAU Films (Matthias Maercks)
Music: Gillian Wood (composition/ cello / piano/ 808)



„Die Kunst widerstrebt den Allgemeinbegriffen, sie stellt nur Einzelwesen dar, will nur das Einmalige. Sie reiht nicht ein; sie reiht aus.“
Marcel Schwob, Imaginäre Lebensläufe, 1896

Manche Themen und Motive finden wir in den Gemälden Tim Eitels immer wieder: die Einsamkeit der Figuren und ihr Schweigen, die ins Bild eingeschriebene, beunruhigende Illusion, das Nebeneinander von gegenständlichen Sujets und abstrakten Flächen, die den Bildraum öffnen und ihm seine Autonomie verleihen. Im Vorgang des Betrachtens scheint die Wirklichkeit allmählich zu schwinden, ein Phänomen, das man mit den Filmen Michelangelo Antonionis vergleichen könnte. Die auftretende Leere ist malerischer Ausdruck der Introspektion, innere Spannungen lösen sich im Angesicht des Nichts.

In diesem zweiten Kapitel imaginärer Lebensläufe, das der Künstler drei Jahre nach dem ersten Teil in denselben Galerieräumen eröffnet, treffen nun die Protagonisten aufeinander, vielleicht eher im Stile Éric Rohmers. Die neuen Bilder handeln von Berührungen, von der gespannten Aufmerksamkeit für das Gegenüber. Ein Bart wird gestutzt, eine private Physiotherapiesitzung auf einem Bett abgehalten, ein benachbartes Ehepaar sieht uns über den Treppenabsatz an. Die Szenen sind aus dem Alltag abgeleitet und wirken auf den ersten Blick unverfänglich. Aber die Sorge in den Haltungen, Gesten und Blicke zeugt von einem unstillbaren Bedürfnis nach Nähe. Inmitten der Pandemie, in der soziale Bindungen ein rares Gut geworden sind, legt Tim Eitel den Fokus auf die Bedeutung des menschlichen Kontakts. Wo noch monochrome Farbflächen zu finden sind, verengen sie den Blickwinkel. Wir könnten eine Tür darin erblicken, verharren jedoch an der Schwelle zur Abstraktion, die wie ein Schatten über den dargestellten Interaktionen liegt.

Die Präsenz der Figuren hat etwas Geisterhaftes, ihre Schilderung schwankt zwischen Realität und Fiktion. Da ist die Szene einer Frau, die schlummernd neben einem Hund liegt. Dichte Pinselstriche verbildlichen die emotionale Nähe der beiden, die Haare der Frau gehen im Hundefell auf. Hier ist die letzte Dimension der Undurchdringlichkeit in den Kompositionen des Künstlers von einer traumartigen Verbundenheit der Elemente durchzogen, die indirekt von der Durchlässigkeit zwischen dem unbewussten und dem materiellen Leben erzählt. Auf beiden Ebenen gilt es heute, uns darauf zu besinnen, was im Leben wirklich wertvoll ist.

Fabien Danesi

Zu den einzelnen Arbeiten der Ausstellungen gelangen Sie HIER.

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